Früher ging es ums Vorankommen
Es gab eine Zeit, da war Wandern für mich vor allem Bewegung.
Vorankommen. Strecke machen. Oben ankommen.
Ich habe Wege danach beurteilt, wie anspruchsvoll sie waren –
und manchmal auch danach, wie schnell ich sie hinter mir lassen konnte.
Der Blick war nach vorn gerichtet.
Auf die nächste Kehre. Den nächsten Abschnitt. Den Gipfel.
Pausen gehörten dazu, waren aber selten willkommen.
Sie standen zwischen mir und dem Weitergehen.
Ich wollte draußen sein, ja.
Aber vor allem wollte ich weiter.
Das hatte nichts mit sportlichem Ehrgeiz zu tun.
Es war eher ein innerer Takt, der sagte:
Da geht noch mehr.
Heute geht es ums Unterwegssein
Heute ist das anders.
Nicht plötzlich.
Und nicht, weil ich weniger wollen würde.
Sondern weil sich mit den Jahren etwas verschoben hat.
Ich nehme Wege anders wahr.
Nicht schneller, sondern genauer.
Ich bleibe öfter stehen.
Nicht, um auszuruhen,
sondern um wahrzunehmen, wo ich gerade bin.
Der Untergrund.
Die Stufen.
Der nächste Schritt.
Heute entscheide ich bewusster,
welche Wege ich gehe
und wie ich sie gehe.
Das hat nichts mit Vorsicht aus Angst zu tun.
Sondern mit Erfahrung.
Erfahrung verändert den Maßstab
Mit den Jahren verändert sich nicht nur der Körper.
Auch der Maßstab verändert sich.
Was früher selbstverständlich war,
verlangt heute mehr Aufmerksamkeit.
Und manches, was früher reizvoll erschien,
ist heute einfach nicht mehr wichtig.
Dafür rücken andere Dinge in den Vordergrund.
Sicherheit.
Rhythmus.
Konzentration.
Und das gute Gefühl, heil wieder unten anzukommen.
Ich messe Wege heute nicht mehr in Kilometern.
Sondern in dem, was sie mir geben
und dem, was sie von mir verlangen.
Anders heißt nicht weniger
Anders zu wandern heißt nicht,
dass etwas verloren gegangen ist.
Im Gegenteil.
Ich erlebe Wege intensiver.
Ich nehme mir Zeit für Passagen,
die früher einfach dazugehört haben.
Stufen.
Schmale Abschnitte.
Treppen.
Ich gehe sie Schritt für Schritt.
Nicht aus Unsicherheit,
sondern aus Respekt –
auch gegenüber der Ausrüstung, die mich dabei unterstützt.
Warum ich darüber schreibe
Diese Seite richtet sich an Menschen,
die merken, dass sich ihr eigenes Unterwegssein verändert.
Nicht dramatisch.
Nicht plötzlich.
Sondern leise.
Wenn du das Gefühl kennst,
dass Wandern heute etwas anderes ist als früher,
dann bist du hier richtig.
Es geht nicht darum,
sich mit anderen zu vergleichen.
Und schon gar nicht darum,
sich etwas zu beweisen.
Es geht darum,
draußen zu sein.
Mit Erfahrung.
Dieser Beitrag gehört zur Kategorie wandern-60plus.
Hier geht es um Veränderung, Haltung und das Unterwegssein mit den Jahren,
nicht um Strecken oder Ausrüstung.
