Wenn der nächste Schritt wichtiger wird
Es gibt Wege, die verzeihen vieles.
Und es gibt Passagen, bei denen jeder Schritt zählt.
Mit den Jahren verändert sich der Blick darauf.
Nicht, weil man unsicher wird.
Sondern weil man gelernt hat,
dass Unachtsamkeit selten gute Folgen hat.
Trittsicherheit ist für mich kein technischer Begriff.
Sie beschreibt eine Haltung.
Eine Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Gehen
und dem Untergrund, auf dem man unterwegs ist.
Erfahrung ersetzt kein Können, aber sie ordnet es ein
Früher habe ich Trittsicherheit vor allem mit Können verbunden.
Mit Balance.
Mit Kraft.
Mit Selbstverständlichkeit.
Heute weiß ich,
dass Erfahrung mindestens genauso wichtig ist.
Sie zeigt sich darin,
eine Stelle frühzeitig zu erkennen.
Nicht erst, wenn man schon mittendrin ist.
Sie zeigt sich darin,
Tempo herauszunehmen,
bevor es nötig wird.
Diese Form von Aufmerksamkeit
hat wenig mit Vorsicht aus Angst zu tun.
Sie hat viel mit Respekt zu tun.
Vor dem Weg.
Und vor sich selbst.
Wege verändern sich nicht, aber wir tun es
Viele der Wege, die ich heute gehe,
bin ich auch früher schon gegangen.
Sie sind nicht anspruchsvoller geworden.
Nicht steiler.
Nicht schwieriger.
Verändert hat sich mein Maßstab.
Ich nehme den Untergrund bewusster wahr.
Feuchte Steine.
Lose Stufen.
Unregelmäßige Tritte.
Nicht alles muss vermieden werden.
Aber nicht alles muss gegangen werden.
Diese Abwägung gehört heute für mich
ganz selbstverständlich zum Unterwegssein dazu.
Viele solcher Wege finden sich auch in meinen Beiträgen zu
wandern und wege wieder.
Nicht als Herausforderung,
sondern als Räume, in denen Erfahrung zählt.
Sicherheit ist kein Verzicht
Manchmal wird Sicherheit mit Einschränkung verwechselt.
Als würde man sich etwas nehmen,
wenn man bewusster geht.
Ich erlebe das anders.
Sicherheit gibt Freiheit.
Sie erlaubt es, draußen zu sein,
ohne ständig an mögliche Folgen zu denken.
Sie schafft Ruhe im Gehen.
Das gilt besonders nach Einschnitten im Leben,
die den Blick auf den eigenen Körper verändern.
In meinem Fall hat sich das auch nach meinem Herzinfarkt gezeigt.
Nicht als Angst,
sondern als neue Form von Klarheit.
Darüber habe ich ausführlicher in
wandern 60plus geschrieben.
Trittsicherheit ist für mich ein Teil dieser Entwicklung.
Nicht getrennt davon.
Kleine Entscheidungen mit großer Wirkung
Trittsicherheit entsteht selten durch große Maßnahmen.
Sie entsteht durch viele kleine Entscheidungen.
Wo setze ich den Fuß auf.
Gehe ich weiter oder bleibe ich stehen.
Brauche ich hier einen Moment mehr Zeit.
Diese Entscheidungen treffe ich heute ruhiger.
Ohne inneren Druck.
Ohne Vergleich.
Viele Gedanken dazu habe ich im Laufe der Zeit gesammelt
und unter
trittsicherheit und praxis
festgehalten.
Nicht als Anleitung,
sondern als Erfahrungsraum.
Trittsicherheit ist Teil des Unterwegsseins
Für mich gehört Trittsicherheit heute
ganz selbstverständlich zum Wandern dazu.
So wie Pausen.
So wie Rhythmus.
So wie das Wissen,
wann es genug ist.
Sie entscheidet nicht darüber,
ob ich gehe.
Sondern darüber,
wie ich gehe.
Und genau darin liegt ihr Wert.
Dieser Beitrag gehört zur Kategorie trittsicherheit und praxis.
Hier geht es um Aufmerksamkeit, Erfahrung und das bewusste Gehen.
Nicht um Leistung
und nicht um Anleitungen.
