Ein Einschnitt, der bleibt
Ein Herzinfarkt verändert mehr als nur medizinische Werte.
Er verändert das Verhältnis zum eigenen Körper.
Und er verändert das Vertrauen in das, was vorher selbstverständlich war.
Auch das Gehen.
Ich bin nach meinem Herzinfarkt nicht von heute auf morgen wieder losgezogen.
Nicht, weil ich Angst hatte.
Sondern weil ich verstanden habe, dass sich etwas grundlegend verschoben hat.
Nicht alles, was möglich ist, ist automatisch sinnvoll.
Der Körper spricht deutlicher
Vor dem Herzinfarkt habe ich vieles hingenommen.
Ein schnellerer Puls.
Eine kurze Unruhe.
Ein inneres Antreiben.
Danach war das nicht mehr möglich.
Der Körper meldet sich deutlicher.
Nicht dramatisch, aber eindeutig.
Und man lernt, genauer zuzuhören.
Beim Gehen zeigt sich das besonders.
Der Atem.
Der Rhythmus.
Das Gefühl nach ein paar Minuten.
Ich habe gelernt, diese Signale ernst zu nehmen.
Nicht als Warnung, sondern als Orientierung.
Unterwegs sein hat einen anderen Maßstab bekommen
Wandern nach einem Herzinfarkt bedeutet für mich nicht,
wieder an alte Leistungen anzuknüpfen.
Es bedeutet, einen neuen Maßstab zu finden.
Ich gehe heute langsamer als früher.
Nicht aus Vorsicht,
sondern weil ich gemerkt habe,
dass Tempo wenig über Qualität sagt.
Ein Weg ist nicht gut,
weil er lang ist.
Oder steil.
Oder besonders bekannt.
Ein Weg ist gut,
wenn er sich richtig anfühlt.
Viele der Wege, die ich heute gehe,
finden sich auch in meinen Beiträgen zu Wandern und Wege wieder.
Nicht als Ziele,
sondern als Orte, an denen Bewegung möglich bleibt.
Sicherheit ist keine Einschränkung
Nach einem Herzinfarkt verändert sich der Blick auf Sicherheit.
Sie wird nicht zur Bremse,
sondern zur Voraussetzung.
Ich achte heute stärker auf den Untergrund.
Auf Stufen.
Auf schmale Passagen.
Auf Situationen, in denen Unachtsamkeit Folgen hätte.
Das ist kein Zeichen von Unsicherheit.
Es ist ein Zeichen von Erfahrung.
Viele Gedanken dazu habe ich später unter Trittsicherheit und Praxis festgehalten.
Nicht als Anleitung,
sondern als Sammlung von Beobachtungen aus dem Gehen heraus.
Regelmäßigkeit statt Ehrgeiz
Was mir nach dem Herzinfarkt besonders wichtig geworden ist,
ist Regelmäßigkeit.
Nicht jedes Gehen muss besonders sein.
Nicht jede Runde muss herausfordern.
Nicht jeder Tag muss gleich genutzt werden.
Gehen darf einfach stattfinden.
Manchmal kurz.
Manchmal länger.
Manchmal mit Pausen.
Diese Freiheit hat mir geholfen,
das Vertrauen in den eigenen Körper langsam wieder aufzubauen.
Nicht durch Kontrolle,
sondern durch Wiederholung.
Keine Ratschläge, nur Erfahrung
Dieser Text ist kein Ratgeber.
Und er ist keine Empfehlung.
Ich schreibe nicht darüber,
wie man nach einem Herzinfarkt wandern soll.
Ich schreibe darüber,
wie es für mich geworden ist.
Was sich verändert hat.
Was geblieben ist.
Und was heute wichtiger ist als früher.
Wer nach einem Herzinfarkt wieder draußen unterwegs sein möchte,
muss seinen eigenen Weg finden.
Sein eigenes Tempo.
Seinen eigenen Maßstab.
Meine Erfahrung ist nur eine davon.
Warum dieser Text hier steht
Dieser Beitrag gehört zur Kategorie Wandern-60plus.
Hier geht es um Erfahrung, Veränderung und das Unterwegssein mit den Jahren.
Nicht um Strecken,
nicht um Leistung,
und nicht um medizinische Ratschläge.
Vielleicht findet sich jemand in diesen Zeilen wieder.
Vielleicht auch nicht.
Beides ist in Ordnung.
