Der Quirl liegt etwas abseits der großen Namen der Sächsischen Schweiz. Kein monumentaler Felsen wie der Lilienstein, kein touristischer Magnet wie die Bastei. Und vielleicht ist es gerade das, was ihn interessant macht.
Der Weg beginnt ruhig. Wald, Sandstein, erste Stufen. Dann rücken die Felswände enger zusammen.
Aufstieg am Quirl zwischen engen Sandsteinwänden
Die Stufen sind unregelmäßig, der Handlauf wirkt eher begleitend als beruhigend. Man geht langsamer. Nicht aus Vorsicht allein, sondern weil der Raum es vorgibt. Die Felsen stehen dicht. Das Licht wird schmaler. Jeder Schritt bekommt Gewicht.
Nach Regen kann der Sandstein glatt sein. Dann wird aus einer einfachen Passage schnell ein konzentrierter Aufstieg. Genau hier zeigt sich, was Wandern in dieser Region bedeutet: Aufmerksamkeit ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung.
Der Quirl öffnet sich nicht plötzlich in eine weite Plattform. Er bleibt strukturiert. Und gerade darin liegt sein Charakter.
Ein Stück weiter erreicht man die Diebeshöhle.
Die Bezeichnung „Höhle“ führt etwas in die Irre. Es ist weniger ein Hohlraum als ein vertikaler Felsraum. Hohe Sandsteinwände steigen auf, durchzogen von dunklen Spuren des Wassers. Man blickt nach oben, fast automatisch.
Solche Orte wirken nicht spektakulär im klassischen Sinn. Sie sind still. Und doch prägen sie sich ein.
Typisch für das Wandern in der Sächsischen Schweiz sind diese Wechsel aus Enge und Weite.
Der Übergang zum Pfaffenstein verläuft unscheinbar. Der sogenannte „bequeme Weg“ relativiert sich schnell. Bequem ist hier vor allem der Gedanke. Wurzeln, kleinere Anstiege und wechselnder Untergrund erinnern daran, dass das Elbsandsteingebirge selten gleichmäßig ist.
Allmählich weitet sich der Raum. Der Wald tritt stärker hervor. Die Pfaffensteinpromenade führt über breitere Felsflächen und zwischen Bäumen hindurch.
Nach der Enge am Quirl wirkt dieser Abschnitt fast ausgleichend. Die Schritte werden ruhiger. Der Blick hebt sich.
Schließlich öffnet sich die Aussicht.
Keine große Plattform. Keine dominierende Architektur. Nur Fels, Himmel, Wald und eine einzelne Kiefer, die sich dem Wind entgegenstellt.
Der Pfaffenstein zeigt keine dramatische Inszenierung. Er zeigt Weite in zurückhaltender Form.
Quirl und Pfaffenstein ergänzen sich auf stille Weise. Der eine fordert Konzentration in der Enge, der andere schenkt Raum. Beide gehören zu jenen Tafelbergen, die weniger durch Höhe beeindrucken als durch Struktur.
Der Quirl wirkt kompakt und zurückgenommen. Seine Wege führen durch engere Passagen, über Felsstufen und entlang von Formationen, die Aufmerksamkeit verlangen. Es ist kein Berg der großen Fernsicht, sondern einer der Nähe – der Blick bleibt oft im Detail: im Gestein, in den Übergängen, im Wechsel zwischen Schatten und offenem Fels.
Der Pfaffenstein dagegen öffnet sich. Nach dem Anstieg weitet sich das Plateau, Wege verlaufen ruhiger, die Pfaffensteinpromenade gibt dem Gehen eine andere Qualität. Aussicht wird hier nicht erkämpft, sondern tritt beinahe beiläufig hinzu. Die Landschaft breitet sich aus, das Elbtal liegt in der Ferne, und der Schritt wird gleichmäßiger.
Gerade dieser Kontrast macht die Kombination beider Berge interessant. Es geht nicht um spektakuläre Höhenmeter, sondern um unterschiedliche Formen von Bewegung: einmal konzentriert und präzise, dann wieder weit und gelöst. Wer beide an einem Tag verbindet, erlebt zwei Facetten des Elbsandsteingebirges – Enge und Offenheit, Struktur und Fläche.auf stille Weise. Der eine fordert Konzentration in der Enge, der andere schenkt Raum. Beide gehören zu jenen Tafelbergen, die weniger durch Höhe beeindrucken als durch Struktur.
Mehr zur Region im Grundlagenartikel
„Wandern in der Sächsischen Schweiz – Wege, die Aufmerksamkeit verlangen“


